Beschlusss für Öffentliches akademisches theoretisches Seminar „Marx-Lesungen“

Beschluss des Instituts für Philosophie der Russländischen Akademie der Wissenschaften für ein Öffentliches akademisches theoretisches Seminar „Marx-Lesungen“,

 

angenommen im Institut für Philosophie der RAdW am 25. und 26. April 2008 anlässlich des 190. Geburtstags von Karl Marx durch die Teilnehmer der – als reguläres öffentliches akademisches Seminar der Marx-Lesungen tagendenden internationalen wissenschaftlich-praktischen Jubiläumskonferenz zum Thema „Die Lehre von Marx im 21. Jahrhundert“. An dieser Veranstaltung nahmen auch die gesamtrussische gesellschaftliche Verlagsgesellschaft von Wissenschaftlern sozialistischer Organisationen (RUSO) sowie Vertreter internationaler Zeitschriften teil: „Marxismus und Gegenwart (Kiev), „Alternativen“ (Moskau), „Bote der russischen philosophischen Gesellschaft“ (Moskau), „Philosophie und Gesellschaft“ (Moskau) sowie die Wochenschrift „Wirtschaftliche und philosophische Zeitung“. 

1) Die auf der Konferenz referierenden Redner und Koreferenten sowie auch die teilnehmenden Diskutanten haben in der Diskussion über unterschiedliche erkenntnistheoretische, historische und philosophische sowie methodologische Standpunkte unter Hinzuziehung von reichem empirischen Material beweiskräftig hervorgehoben, dass es in der Geschichte der Menschheit eine Vielzahl bedeutender sozialpolitischer Theorien, philosophischer Systeme und herausragender Persönlichkeiten gibt, die das Ziel verfolgen, eine gerechte und humane Gesellschaft zu errichten, dass es aber keine einzige von ihnen vermocht hat, hinsichtlich der Breite und Tiefe der wissenschaftlichen Analyse der Erscheinungen und der praktisch umgestaltenden Kraft, an Marx und den Marxismus heranzureichen.

Karl Marx wäre am 5. Mai dieses Jahres (2008) 190 Jahre alt geworden. Gemeinsam mit Friedrich Engels hat er die Theorie des Sozialismus aus einer Utopie in eine Wissenschaft verwandelt, die in der UdSSR und in der sozialistischen Staatengemeinschaft deren praktische Bestätigung gefunden hat.

2) Dank der von Marx und Engels geschaffenen philosophischen Lehre von der Gesellschaft und der Geschichte ist die Menschheit aus einer systemlosen Ansammlung einzelner schlecht mit einander verbundener Fakten und aus einer Vielzahl empirischer Tatsachen und Ereignissen des sozialen Lebens zu sich gesetzmäßig entwickelnden Prozessen der Herausbildung, der Entwicklung und sich verändernden unterschiedlichen sozialökonomischer Formationen geworden. Das marxistische Herangehen an den historischen Prozess begründet die unabdingbare dialektische Notwendigkeit des Übergangs der gesamten Menschheit vom Kapitalismus, der letzten Vorgeschichte der ausbeutenden sozialökonomischenen Gesellschaftsordnung zum Sozialismus und Kommunismus.

3) Die Voraussicht von Marx betreffs der objektiven Grundlagen und Möglichkeiten des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus in Russland wurde praktisch durch die Große sozialistische Oktoberrevolution bestätigt, in der die marxistische dialektiktisch-materialistischen Theorie der gesellschaftlichen Entwicklung von W.I. Lenin weiterentwickelt wurde und praktische Anwendung fand. Die Oktoberrevolution bedeutete den Beginn des Übergangs von einem Sechtel der Menschheit, von der Vorgeschichte zur wirklichen Geschichte. Es ist nicht von Belang, dass dieser Prozess der Vorwärtsentwicklung der Menschheit im Zusammenhang mit der wortbtüchigen Zerstörung der UdSSR zeitweilig unterbrochen wurde. Wichtig ist etwas Anderes. Erstens ist die Lehre von Marx, Engels und Lenin insgesamt weiterhin aktuell als internationaler Protest gegen Unterjochung, Unterdrückung und soziale Ausbeutung des Menschen, gegen die „zivilisierte Barbarrei“ in der heutigen Welt, und zweitens wächst der Sozialismus trotzdem erfolgreich in der heutigen Welt: in Vietnam, China, Korea, in Cuba, Bolivien, Venezuela u.a. Ländern wird der Weg der sozialistischen Entwicklung beschritten. Die gesamte Dritte Welt – die Völker Afrikas, Asiens und Lateinamerikas drängen zum Sozialismus. Die Ideen des Sozialismus leben weiter in den Hirnen und Herzen von Dutzenden Millionen postsowjetischer Republiken und sind starke Faktoren der sozialen Bewegung der Gegenwart. Der historische Fortschritt ist hier also sichtbar.

4) Zudem diktieren die objektiven Prozesse, die im 21. Jahrhundert in der Natur und in der internationalen Gesellschaft vor sich gehen, dass die Alternative „Sozialismus oder Barbarei“ zu akzeptieren ist. Angesichts der sich schnell erschöpfernden Lebensquellen, des harten Kampfes der USA und der NATO zur Einführung einer sogenannten “neuen Weltordnung“ und der Eroberung internationaler Ressourcen sowie angesichts des Vorhandenseins der globalen Probleme der Gegenwart werden die Vorzüge der Theorie und Praxis des Sozialismus und der sozialistischen Planwirtschaft gegenüber der kapitalistischen Wirtschaftsweise immer offensichtlicher, wobei heute lange großflächige staatlich territorial geführte Kriege, Anarchie der Preise, Instabilität des Marktes und Marktkonkurrenz, Zwang des „Warenfetischismus“ sowie Verbrauchervorteilsnahme (angesichts der Tatsache, dass der Drang nach Konsumgegenständen und Luxus immer weiter überhand nimmt), was zu unrationellen und nicht regulierbarem Verbrauch von Naturgütern und Humankraft führt. Angesichts all dessen wird die Existnenz des Kapitalismus im 21. Jahrhundert bereits für die ganze Menschheit zu einer Gefahr. Die wesentliche These von Marx, die darin besteht, dass die bürgerliche Gesellschaft a priori über keinerlei bewusste Regulierung der Produktion verfügt, und dass sich das Vernünftige natürlich nur als blind wirkender Durchschnitt Bahn bricht (Marx/Engels, Werke, Bd. 32); ist von außerordentlicher Aktualität. Die Weitsicht von Marx hinsichtlich des räuberischen Charakters des Kapitalismus und daher auch die dialektische Schlussfolgerung, dass die kapitalistische Produktion notwendiger Weise den natürlichen Prozess ihres eigenen Absterbens hervorbringt, (MEW, Bd. 23), hat – für uns – als authentische Marxisten und Kommunisten außerordentliche praktische und theoretische, ja sogar methodologische Bedeutung. Somit ist der Marxismus keine theoretische Abstraktion – wie dies die postsowjetischen Anhänger „reformatorischer“ Denkart behaupten, sondern ein kategorischer Imperativ der Gegenwart, die notwendige Folge der historischen Entwicklung der internationalen Gesellschaft. Es ist der Kern, der die Lebenskraft der Lehre von Marx bestätigt.

5) Entgegen der existierenden Prognose zahlreicher postsowjetischer Antimarxisten hinsichtlich des endgültigen „Zusammenbruchs“ des Marxismus und des sowjetischen Sozialismus haben die Gesellschaftswissenschaftler Russlands und anderer Länder der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten sowie weiterer ausländischer Staaten, unter ihnen Vertreter der kommunistischen und Arbeiterbewegung, in den postsowjetischen Jahren das Interesse am Marxismus durchaus nicht verloren. Im Gegenteil, sie erkennen die Notwendigkeit einer schöpferischen Darstellung des Marxismus und der dialektischen Interpretation seiner Thesen auf der Grundlage der Erkenntnisse der neuesten Geschichte. Und dies ist auch verständlich, denn das marxsche Ideal einer auf Humanismus beruhenden einheitlichen klassenslosen konfliktfreien Menschheit ohne jegliche Formen der Ausbeutung und bei Achtung allgemeinmenschlicher Werte, in Freundschaft und Solidarität mit allen Völkern und in persönlicher Freiheit, Gleichberechtigung und Wohlfahrt der Gesellschaft ist besonders heute von großer Bedeutung, da die gegenwärtige Welt vom Klassenkampf beherrscht ist.

6) Der Anfang des 21. Jahrhunderts ist durch eine Verstärkung der Widersprüche zwischen Kapital und Arbeit gekennzeichnet. Die USA und die mit ihnen koalierenden NATO-Länder haben sich in großen Ausmaßen an dem Zerfall der UdSSR und eines Teils der Länder des internationalen Sozialismus, durch Globalisierung der internationalen Industrie und des Wirtschafts- und Finanzsystems sowie durch staatsterroristische Kriege und durch transnationale Ausbeutung dr Länder der „zweiten“ und „dritten“ Welt usw. bereichert. Sie streben intensiv danach, der Welt ihre Ideologie aufzudrängen und eine so genannte „neue Weltordnung“ einzuführen, das heißt, eine neue Unordnung für die politische, wirtschaftliche und geistige Unterdrückung der Völker. Die staatsterroristischen Kriege der USA gegen Mitgliedsstaaten der UNO sind ausgesprochen schlimme Formen des Klassenkampfes, eine Erscheinung der „Selbstverneinung des Kapitalismus“, die diesen unvermeidlich in den Untergang führt.

Unter diesen Umständen ist der Wunsch, die welthistorische Rolle der UdSSR in Misskredit zu bringrn und die Ideologie des Sozialismus und Kommunismus als sich historisch herausgebildete und in der Praxis erfolgreich erprobtes System von Anschauungen und Überzeugungen unter Acht und Bann zu stellen, fest in den Köpfen der rechtsextremistischen Politiker Europas verankert. Die Idee der Verurteilung des Kommunismus ist nicht neu. Unmittelbar nach dem Sieg der Großen sozialistischen Oktoberrevolution ist sie unter dem Hitlerfaschismus zu ihrem tragischen Höhepunkt gelangt. Diese schändliche Tradition wurde vom parlamentarischen Ensemble des Europarats im Dezember 2005 durch Annahme einer Resolution fortgesetzt, in der die so genannten „Verbrechen der kommunistischen Regime“ angeprangert wurden.

7) Das Organisationskomitee des Öffentlichen akademischen theoretischen Seminars „Marx-Lesungen“ des Instituts für Philosophie der Russlänsischen Akademie der Wissenschaften (unter wissenschaftlicher Leitung von Professor D. Džochadze) ist beauftragt, die entsprechende wissenschaftlich-organisatorische Arbeit zur Sammlung der Materialien anlässlich der stattgefundenen Konferenz zum 190. Geburtstag von Karl Marx zu übernehmen, dieses Material zu redigieren und in einer dem 190. Geburtstag von Marx gewidmeten Jubiläumspublikation unter dem Titel „Die Lehre von Marx im 21. Jahrhundert“ zu veröffentlichen.

8) Das Organisationskomitee des Öffentlichen akademischen theoretischen Seminars „Marx-Lesungen“ des Instituts für Philosophie der RAdW (unter wissenschaftlicher Leitung von Professor D. Džochadze) ist beauftragt, im Institut für Philosophie der RAdW auf der Grundlage des theoretischen Seminars „Marx-Lesungen“ die erforderliche wissenschaftlich-organisatorische Arbeit zu leisten und gemeinsam mit (RUSO), der Russländischen philosophischen Gesellschaft (RFO), den internaionalen Zeitschriften „Marxixmus und Gegennwart (Kiew), den „Alternativen“, „Bote der russischen philosophischen Gesellschaft“ (Moskau), „Philosophie und Gesesellschaft“ (Moskau) sowie der Wochenschrift „Wirtschaftliche und philosophische Zeitung“, im Direkt- und Fernstudium, auf einer wissenschaftlich-praktischen Jubiläums­konferenz, anlässlich des 200 Geburtstags von Marx:

a) rechtzeitig ein Gesamtprogramm für eine Jubiläumskonferenz auszuarbeiten und eine Bekanntmachung über die Einberufung derselben auf der Seite des Instituts für Philosophie usw. zu veröffentlichen.

b) Es soll eine zweite (verbesserte und ergänzte Auflage des „Manifests der Kommunistischen Partei von Marx und Engels im Zusammenhang mit der Geschichte des 200. Jahrestags des Ceburtstags von Marx, des 170. Jahrestags des „Manifests“, des 150. Jahrestags des „Kapitals“ und des 100. Jahrestags der Großen sozialistischen Oktoberrevolution erscheinen.

c) Die Regierung Moskaus soll gebeten werden, am 05.05.2018 von 15.00 bis 15.30 Uhr in Moskau am Marxdenkmal die Durchführung einer dem Geburtstag von Marx gewidmeten wissenschaftlichen, humanistischen, kulturellen feierlichen Bildungs- und Gedenkveranstaltung (Seminar) zu ermöglichen, wo ein wissenschaftlich begründeter Beschluss über die aktuelle Bedeutung der Lehre von Marx und deren humanistischer Aufruf „Proletarier der geistigen und physischen Arbeit des Planeten Erde, vereinigt euch!“ gefasst werden soll. Außerdem soll im Namen des öffentlichen akademischen theoretischen Seminars „Marx-Lesungen“ des Instituts für Philosophie der RAdW gemeinsam mit weiteren interessierten Institutionen ein Antrag an das Bürgermeisteramt von Moskau übermittelt werden, dem in der Nähe des Marxdenkmals gelegenen Teil der Grünanlage die Bezeichnung „Grünanlage Marx“ zuzueignen.

d) In dem Seminar „Marx-Lesungen“ soll ein begründetes Schreiben erarbeitet und beraten werden, das an die Kommission der Russischen Föderation für Angelegenheiten der UNESCO gerichtet ist, in dem darum gebeten wird, dass die UNESCO das Jahr 2018 zum Marxjahr erklären möchte.

e) Anhand der Veröffentlichung von Materialien einer wisssenschaftlich-praktischen Konferenz zum 200. Geburtstag von Marx soll in Buchform eine Jubiläumspublikation erscheinen, die (eventuell) den Titel „Marx ist immer aktuell“ tragen könnte.

 

Vorsitzender des Organisationskomitees

der dem 190. Geburtstag von Marx gewidmeten

Jubiläumskonferenz im 21. Jahrhundert“

Dr. phil. habil. D. V. Džochadze

Professor des Instituts für Philosophie der RAdW

 

Organisationskomitee:

Bagaturija G.A.; Binštok F.I.; Bratišev I.М.; Gobzov I.А.; Grosul V.Ja.; Dmitriev А.V.; Denicov V.V.; Džochadze D.V.; Droban А.Т.; Klozvog F.N.; Kosolapov R.I.; Оrlov V.V.; Orlova L.V, Perfil’ev M.N.; Proskurin А.P.; Prigarin А.А.; Rudinskij F.М.; Saprykin V.А.; Solopov Е.F.;  Ševelucha V.C.; Ševčenko V.Т.; Jabrova Т.I; Ciplakov, V.I. - wissenschaftlicher Sekretär.