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Dem Gedenken meiner Mutter – einer wahren Kommunistin

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Dem Gedenken meiner Mutter – einer wahren Kommunistin

Buzgalin A.V.

In wissenschaftlichen Zeitschriften und auf öffentlichen Internetseiten schreibt man eigentlich nicht über Mütter. Ich aber tue dies. Ich schreibe, weil uns ein Mensch verlassen hat, dessen Leben die edelsten Seiten der Welt wahrer Kommunisten offenbarte – so wie sich in einem Tropfen Wasser ein Ozean widerspiegelt.

Nina Ivanovna Buzgalina wurde am 16. April 1932 in der großen sowjetischen Familie der Šapovalovs geboren. Ihr Großvater mütterlicherseits war einer der Revolutionäre, die schon in den Reihen der Partei der „Narodnaja Volja“ den Kampf aufgenommen hatten, und als aktives Mitglied der Partei der Bolschewiki gehörte er dann zu jenen, die in Mittelasien für die Sowjetmacht kämpften. Nach dem Tod des Großvaters wurde die Großmutter zum Mittelpunkt der Großfamilie, in der die Kinder mit ihren Familien zusammen lebten. Alle Onkel und Tanten meiner Mutter gingen 1941 als Freiwillige an die Front, und fast alle sind gefallen.

Beide Eltern meiner Mutter waren von Beruf Armeeangehörige. Die Mutter meiner Mutter war 1941 in den Kämpfen bei Moskau schwer verwundet worden und starb nach einigen Jahren Krankenlager in den Armen von Nina Ivanovna. Ihr Vater, Jan Adamovič Rotkevič, war Opfer der Repressionen geworden. Er kehrte erst zu Beginn des Krieges wieder in die Armee zurück und wurde 1944 Offizier der polnischen Truppen. Der Familie teilte man jedoch mit, er sei vermisst. Erst nach dem siegreichen Ende des Krieges erhielt meine Mutter die Nachricht, dass ihr Vater am Leben sei…

Mit zehn Jahren musste Nina Ivanovna allein für ihre kranke Mutter und die gelähmte Großmutter sorgen. Sie gab sich um einige Jahre älter aus und arbeitete zunächst in einem Betrieb und dann als Pflegerin in einem Krankenhaus. Wie mir meine Mutter über diese Jahre berichtete, geschah all dies in einer allgemeinen Atmosphäre menschlicher Wärme, in der Widersprüche nicht verdeckt wurden; und ich lebte seit meiner Kindheit in einer Welt, in der jene Menschen im Mittelpunkt standen, für die Taten für die Heimat und den Kommunismus, echte Kameradschaft und Pflichtgefühl, menschliche Geborgenheit und Selbstaufopferung keine leeren Worte waren, sondern Inhalt des Lebens. In den Ansichten meiner Mutter kam aber zugleich auch zum Ausdruck, dass sie stets die andere Seite der Medaille beachtete: bornierte kleinbürgerliche Indifferenz…

Nach dem Krieg ging sie mit ihrem Vater nach Polen, wo sie sich ohne lange zu überlegen jenen anschloss, die gegen die Reste der faschistischen und der Banderowbanden u.a. vorgingen. Hier kämpfte sie mit den Genossen der polnischen Komsomol-Organisation zusammen, deren Mitglied sie sofort nach ihrer Ankunft in Polen geworden war, Schulter an Schulter mit dem bewundernswerten Roman Cohn, einer Legende der polnischen antifaschistischen Bewegung. Sie legten die Keime einer neuen Welt. Wenn wir heute in der „Internationale“ singen: „Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger, Alles zu werden, strömt zuhauf“, so meinen wir damit auch sie, jene Genossen, die durch die Hölle gegangen sind, die den Tod ihrer Genossen durchlitten haben und wussten, dass diese im Recht waren. Und auch ich weiß, dass sie im Recht waren und ihr Kampf nicht umsonst war. Das Vermächtnis dieses Kampfes tragen meine Genossen in sich. Auch ich.

Dann kam die Rückkehr meiner Mutter in die UdSSR und ein hervorragendes einjähriges Studium am Ersten medizinischen Institut (sie war für Fern- und Nahestehende sowohl Pflegerin als Krankenschwester und Ärztin). Danach schloss sich ein Studium an der biologischen Fakultät der Moskauer Staatlichen Universität an.

Die Universität verließ sie im letzten Studienjahr, nachdem sie sich in meinen Vater, Vladimir Nikolaevič Buzgalin verliebt hatte. Und mit ihm – einem Offizier, einem der zahlreichen Erbauer von Sonderobjekten und Komplexen für Gefechtsraketen – ging sie in verschiedene Regionen unseres Landes und war in einem neuen Beruf tätig (eine Ausbildung im Bauwesen hatte sie im Fernstudium erworben). Wie stets arbeitete und lebte sie voller Enthusiasmus, ihr Talent nutzend und wurde zum Mittelpunkt, zur Seele kleiner Kulturstandorte , von „Heimstätten“ (aus denen Militärsiedlungen entstanden), wo es – und daran erinnere ich mich bereits – immer Gedichte, Rock and Roll, Romanzen und sehr offene Unterhaltungen über alles Mögliche gab: über den Sinn des Lebens, über Liebe und Politik.

Es herrschte stets ein Geist von Romantik und Kameradschaft. Kein Idealismus oder verspielte Träumereien, sondern reale – Widersprüche, Fehler und Tragödien nicht überspielende – Beziehungen der Solidarität und gegenseitigen Hilfe. Einfach und bescheiden. Handeln und Engagement waren Voraussetzung.

Kleinbürgerlichkeit, Raffgier und Karrierismus waren verpönt.

Die Einstellung zu Geld war neutral. Es galt nur als ein Mittel der Zweckerfüllung und um ein interessantes Leben führen zu können.

Später, als mein Vater nach Moskau in die Hauptverwaltung des Verteidigungsministeriums versetzt worden war, arbeitete meine Mutter in der Gewerkschaftsleitung des Ministeriums für Bauwesen. Und auch dort war sie wieder die Seele des Kollektivs. Da habe ich als junger Bursche ebenso wie sie verstanden, welche Bedeutung eine solche gesellschaftliche Tätigkeit hat und dass sie wirklich interessant und für die Menschen von Nutzen sein kann.

Nachdem meine Mutter einen Infarkt erlitten hatte und ihre Arbeit aufgeben musste, habe ich gemeinsam mit ihr an der ökonomischen Fakultät der Moskauer Staatlichen Universität studiert, wo ich auf ihren Rat hin ein Studium aufgenommen hatte. Ja, gemeinsam mit ihr, – wir haben zusammen über die Probleme der Zukunft der Menschheit nachgedacht (für uns sind das keine „hehren Worte“, sondern eine Herausforderung unseres Lebens). Gemeinsam, einander laut vorlesend, haben wir sogar am Strand die ökonomisch-philosophischen Handschriften von Marx und die „Wissenschaft der Logik“ von Hegel, die phantasiegeladenen Bücher von Jefremov und Gedichte von Lermontov gelesen.

Gemeinsam mit ihr war ich zum ersten Mal in der Ermitage und im Großen Saal der Leningrader Philharmonie. Gemeinsam mit ihr habe ich die Schönheit der klassischen Musik und die Stille des baltischen Sonnenuntergangs kennen gelernt.

Und die Freude, über etwas ganz Wichtiges zu sprechen und dabei in einer Moskauer Straßenbahn Milch trinkend an einem frischen Brotkanten zu kauen.

Und das Glück, gemeinsam jene revolutionären Lieder zu singen, die mich seit meiner frühen Kindheit begleitet haben, wie zum Beispiel das Lied vom roten Regimentskommandeur Ščors.

Meine Mutter war ein sehr intelligenter Mensch, Sehr feinfühlig. Sehr kompliziert. Sie stellte hohe Ansprüche und war konsequent. Sie hatte immer eine eigene Meinung, die sie bis zum Schluss vertrat.

Oft suchten Menschen bei ihr Rat und Hilfe, selbst weltgewandte. Zu ihren Freunden zählten Schauspieler und Wissenschaftler, Arbeiter und Militärangehörige, Jugendliche und Alte.

Meine Mutter hat mir geholfen, einen Freund zu finden. Seit dem ersten Studienjahr in der Moskauer Universtität verbindet mich mit Andrej Kolganov eine echte, feste Freundschaft, und er wurde sehr schnell in den Kreis unserer Familie eingeschlossen. Meine Eltern haben ihn wie einen Verwandten aufgenommen. Seitdem ist er für mich ein Freund und Bruder. Und auch meiner Mutter stand er sehr nahe.

Sie hat sich über unsere Erfolge sehr gefreut: sowohl über die Erfolge meines Freundes Andrej Kolganov und meiner Frau Ljudmila Bulavka als auch über meine und die unserer ganzen Gemeinschaft der „Alternativen“. Sie war froh darüber, dass wir die Sache ihrer Verwandten und Freunde sowie der verstorbenen Genossen fortführen, jene Sache, der sie und mein Vater ihr ganzes Leben gewidmet haben. Der Sache des Kommunismus.

Sie hat uns sehr geliebt. Sehr. Wir haben Jahrzehnte in einer Atmosphäre von Fürsorge, Wärme und Liebe gelebt, die uns meine Mutter und mein Vater entgegenbrachten.

Doch ich habe immer auch noch etwas Anderes gewusst: dass es in meiner Welt und in meinem Land Widersacher gibt. Es gibt auch Gleichgültige. Und es gibt solche, die nirgendwer sind. Und mein Leben und mein Schicksal, meine Pflicht und mein Glück bestehen darin, nach Maßgabe meiner Kräfte den Kampf für das Reich der Freiheit fortzuführen: Die Zeilen hierzu aus dem dritten Band des „Kapital“ haben wir uns gemeinsam während meiner ersten studentischen Sommerferien in einem Park in der Nähe von Leningrad erschlossen. (Meine Mutter liebte diese Stadt sehr und hat die ganzen letzten Jahre, als sie ans Bett gefesselt war, davon geträumt, unbedingt gemeinsam noch einmal dorthin fahren zu können…)

Meine Mutter war schwer krank: über zwanzig Jahre lang. Der Hunger der Kriegsjahre, Die Verwundung, die sie sich in Polen zugezogen hatte, Infarkt und Schlaganfall – sie konnte sich fast nicht bewegen, doch sie lebte und inspirierte uns alle für unser Leben. Das Haus meiner Eltern wurde zum Stabsquartier der „Alternativen“, zum Haus der Postsowjetischen Schule des kritischen Marxismus. Das wird auch so bleiben, und darin wird meine Mutter weiter leben.

Sie wird immer in unserer Mitte sein. 

Ihr Sohn

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