Benutzeranmeldung

CAPTCHA
Этот вопрос задается для проверки того, не является ли обратная сторона программой-роботом (для предотвращения попыток автоматической регистрации).

Sprachen

Содержание

Счётчики

Рейтинг@Mail.ru

Sie sind hier

Der „Blitzkrieg“ gegen die RAdW wird fortgesetzt ohne das Gesetz über die Reform abzuwarten

Akademiemitglied Sergej Rogov: Der „Blitzkrieg“ gegen die RAdW wird fortgesetzt ohne das Gesetz über die Reform abzuwarten

Der Zusammenbruch der Fundamentalwissenschaft würde die Bemühungen Russlands vereiteln, mit den internationalen „Walen“ und „Elefanten“ gleichrangig zu sein.

Heute begann die außerordentliche Konferenz der Wissenschaftler unseres Landes, die der Reform der Russländischen Akademie der Wissenschaften (RAdW) gewidmet ist. Am 9. September findet zum erstenmal in ihrer Geschichte eine außerordentliche Vollversammlung der Akademie der Wissenschaften statt. Und wenn die Staatsduma zu ihrer Herbsttagung zusammentritt, wird die Reform der Wissenschaft Russlands erneut auf der Tagesordnung der Deputierten stehen. Kurz vor diesen Ereignissen ist ein Korrespondent der Zeitung „Komsomolskaja Pravda“ mit dem ordentlichen Mitglied der RAdW, dem Direktor des USA-und-Kanada-Instituts der RAdW Sergej Rogov zusammengetroffen. Dieser hat ihm ganz offen erläutert, was ihm und seinen Kollegen aus welchen Gründen an diesem vom Ministerium für Bildungswesen und Wissenschaften eingebrachten Reformmodell missfällt.

MADE IN USSR

- Sergej Michailovič, wir erinnern uns daran, dass die Frage der Kalamitäten der Wissenschaft Russlands und der Notwendigkeit einer Reform im letzten Jahrzehnt immer wieder erörtert wurde. Jetzt jedoch, wo die Reform sichtbare Umrisse angenommen hat, ist die ganze wissenschaftliche Gemeinschaft in einmütiger Front dagegen aufgetreten. Welche Gründe gibt es dafür?

- Weil das keine Reform ist, sondern eine Art neue Schocktherapie, ein Blitzkrieg, der, wenn diese Operation so verwirklicht wird wie das vorgesehen ist, das Ende der Existenz der RAdW bedeuten würde. Lassen Sie uns zunächst ein allgemeines Bild umreißen. Wir sprechen jetzt viel von einer multipolaren Welt, einer Welt, in der mehrere Kraftzentren vorhanden sind. Zu diesen zählen die Vereinigten Staaten, China und die Europäische Union; perspektivisch auch Indien. Leider gehört aber Russland nicht zu den führenden Kraftzentren. Wir sind uns bis jetzt nicht der Tatsache bewusst, dass wir hinsichtlich solcher Kennziffern wie Bevölkerungszahl, Umfang des Bruttoinlandsprodukts und Ausgaben für die Wissenschaft hinter den führenden Kräften in der Weltarena um das 5-10-fache zurückstehen. Diejenigen, die zu meiner Generation gehören, waren daran gewöhnt, dass wir ganz vorn standen. Was die quantitativen Kennziffern anbebetrifft, so kann Russland das Niveau dieser Wale und Elefanten der Weltpolitik und Weltwirtschaft niemals erreichen. Wenn wir in einer so unruhigen Welt künftig in Sicherheit leben wollen, so können wir dies nur mit Hilfe der qualitativen Kennziffern unserer Wirtschaft und unserer Arbeitskraft erreichen. Mit dem sogenannten „Humankapital“, welches wir heute verausgaben.

Und in diesem Zusammenhang muss man die Situation betrachten, die sich in der Wissenschaft Russlands insgesamt herausgebildet hat. Es sieht in der Wissenschaft nicht mehr so aus wie zu Sowjetzeiten. Auf bestimmten Gebieten liegen wir hinter den Amerikanern, auf anderen haben wir sie überflügelt. Die Ausgaben für die Wissenschaft haben 3-4% des BIP erreicht. Natürlich war das in bedeutendem Maße mit einer Verschiebung in Richtung des militärisch-industriellen Komplexes verknüpft.

Die Neoliberalen, die bei uns seit Gaidar bei der Herausbildung der Wirtschafts- und Finanzpolitik die führende Rolle spielen, sind der Ansicht, „je weniger Staat, desto besser“. Man müsse die staatlichen Funktionen beschneiden und einschränken und Gebührenpflicht im Bildungs- und im Gesundheitswesen einführen. Die soziale Verantwortungsgefühl sei aufzuheben.

- Was ist bei uns auf diesem Gebiet nach dem Zerfall der UdSSR übrig geblieben?

- Da sei festzuhalten, dass die angewandte Wissenschaft, Tausende wissenschaftliche Forschungsinstitute und Konstruktionsbüros, die mit den Industrieministerien der einzelnen Zweige verbunden waren, die ersten Opfer der Schocktherapie wurden. Es war gerade die angewandte Wissenschaft, die in wenigen Jahren Anfang der 90-er Jahre, als die Privatisierung stattfand und die Zweigministerien aufgelöst wurden, faktisch liquidiert wurde. In Moskau und Umgebung sieht man die gewaltigen Kästen früherer Institute und Betriebe stehen Ein Teil davon wurde zu Lagerräumen umfunktioniert, anderswo wird wie auf dem „Gorbuschka“-Markt mit fremden Waren Handel getrieben. Nur wenige wissenschaftliche Forschungszentren haben überlebt wie z.B. in der Atomindustrie und ganz wenige in der Luftfahrt- und Weltraumindustrie. Das ist alles. Unter diesen Umständen kann man sagen, dass die Akademie der Wissenschaften, die sich mit den fundamentalen Forschungen beschäftigt, überlebt und stand gehalten hat, obgleich sie in den 90-er Jahren sehr große Verluste erlitten hat und auch gegenwärtig nicht in bestem Zustand ist.

- Ein bedeutender Teil der Wissenschaftler ist ausgereist, nicht wahr?

- Und nicht nur das, obgleich dies der bestimmende Faktor ist. Heute sind in Amerika mehr habilitierte Doktoren, die ihren wissenshaftlichen Grad in der UdSSR erhalten haben, tätig als in der RAdW. In der RAdW arbeiten gegenwärtig um das Doppelte weniger Wissenschaftler als zu der Zeit, als die Sowjetunion zerfiel. Das liegt daran, dass es junge Leute sind und ein Aspirant z.B. heute 3000 Rubel verdient. Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter ohne Grad bekommt etwas mehr als 10 000 Rubel und ein Senior Wissenschaftler mit wissenschaftlichem Grad – 20-25 000 Rubel. Die Wissenschaft ist ja jene Sphäre der internationalen Ökonomie, die am stärksten kosmopolitisch ist. Es existiert ein einheitlicher Weltmarkt für Instrumente, Geräte und alle möglichen Präparate. Zudem herrscht Mobilität der Arbeitskraft. Ein Wissenschaftler kann sich schnell entscheiden und ausreisen. Die Migration setzt sich weiter fort, sowohl die äußere, z.B. nach Amerika, nach Deutschland, nach Finnland als auch die innere Migration, wo junge talentierte Jugendliche abwandern, vor allem ins Business.

In Amerika betragen die Gesamtausgaben für die Wissenschaft etwa 3% des BIP, etwas weniger. Davon sind fast 2% Ausgaben für Business, für die Wissenschaft. In Japan sind es 3% vom BIP, in China gegenwärtig 1,5%, bei uns – 0,3%. Und dieser Anteil geht zurück. Hatten wir China vor 20 Jahren in Bezug auf die Ausgaben für die Wissenschaft und in der zahlenmäßigen Stärke des Personals der wissenschaftlichen Forschungsinstitute um einige Male übertroffen, so ist die Situation heute niederschmetternd. Die Ausgaben Chinas für die Wissenschaft sind 6-mal höher als in Russland und steigen jedes Jahr um 15-20%. China wird in einigen Jahren Amerika einholen. Zwar kopieren sie vieles, aber so haben auch die Japaner und die Südkoreaner einmal angefangen.

- Bei uns sind die Ausgaben für die Wissenschaft aber auch gestiegen. Man hat den Wissenschaftlern Megagrants gegeben.

- Als die staatliche Leitung bei uns auf diesem Gebiet aktiv zu werden begann, erhöhten sich die Ausgaben für die Wissenschaft beträchtlich. Doch diese Ausgaben stiegen nicht für die Akademie der Wissenschaften. Auf freiem Feld entstanden oftmals recht eigenartige Projekte, z.B. „Rosnano“. In Amerika gibt es keine staatliche Korporation wie „Rosnano“. Sie haben ein föderales Programm zur Unterstützung der Entwicklung von Nanotechnologien. 1,5 Miliarden Dollar jährlich. Aber mit einer solchen Summe würde sich Genose Čubajs ja nicht einmal die Hände schmutzig machen. Oder nehmen wir „Skolkovo“, – da erinnerten wir uns der Kremnievaja Dolina. In Amerika wird aber so etwas wie Kremnievaja Dolina nicht von einer föderalen Regierung gegründet. Alle diese Technoparks entstanden unter Marktbedingungen in der Umgebung von großen wissenschaftlichen Zentren. In Amerika sind das vor allem Universitäten. Dort haben solche Halbgebildeten wie Bill Gates oder Zuckerberg oder Steve Jobs mit angewandter Tätigkeit begonnen und neue Technologien geschaffen. Sie haben von den lokalen Machtorganen äußerst günstige Steuerbedingungen erhalten. Und so konnten in Amerika und in anderen Ländern derartige Technoparks aufblühen.

Nirgends hätte man bei uns auf einem freien Feld begonnen, ein Zentrum zu errichten, das sich mit irgend etwas Unergründlichem beschäftigen soll, wenn man zwei Dutzend Akademiestädte hat. Dort hätte man das Geld anlegen sollen, das nach Skolkovo geflossen ist. Dann hätten wir heute eine ganz andere Situation. Dann hätte sich jene Lücke schließen können, die in der angewandten Wissenschaft entstanden war. Das wurde aber nicht getan. Man hat sehr viel Geld in die Hochschulen gesteckt, für die Entwicklung der Wissenschaft. Aus historischen Gründen ist bei uns eine Situation entstanden, wo sich die Akademie der Wissenschaften mit der Fundamentalwissenschaft beschäftigte und die wissenschaftlichen Forschungsinstitute mit angewandter Wissenschaft. Trotz gewaltiger Belastung des Lehrkörpers haben die Hochschulen bis jetzt noch keine größeren Ergebnisse erzielt. Es ist ein geringer Zuwachs an Publikationen zu verzeichnen, der jedoch im Wesentlichen darauf zurück zu führen ist, dass die Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften nebenbei noch für die Hochschulen tätig sind, wo die Gehälter höher sind und die Publikationen unter dem Namen der Universität oder Hochschule laufen. Und in den großen Universitäten wie in der Moskauer Staatlichen Universität sind fast 90% aller wissenschaftlichen Publikationen gemeinsame – von Lehrkräften und von Mitarbeitern der Akademie der Wissenschaften.

Die stellvertretende Premierministerin Olga Golodec hat mitgeteilt, dass sich die Ausgaben um das 10-fache erhöht hätten. Eine Erhöhung hat es tatsächlich gegeben. Doch es war so, dass das Wachstum für die laufenden Kosten von 2008 für die Akademie der Wissenschaften nur ganz gering war und dass sich die Ausgaben für die Akademie der Wissenschaften in konstanten Preisen um 25% gesenkt hatten. Das Durchschnittsgehalt beträgt in unserem Institut 28 000 Rubel. Das ist die Sorge von Partei und Regierung, das ist das Budget, das wir erhalten. Fast ein Drittel aller wissenschaftlichen Mitarbeiter Russlands sind in Moskau, im Moskauer Gebiet und in Sankt Petersburg konzentriert. Das Gehalt eines wissenschaftlichen Mitarbeiters sowohl in Akademieinstituten als auch in anderen Instituten ist 1,5-mal niedriger als das Durchschnittsgehalt in Moskau und niedriger als das eines Lehrers an einer Schule oder an einem Technikum. Das hat zu großer Demoralisierung geführt. Die Menschen sehen darin mangelnde Achtung seitens des Staates gegenüber ihrer Tätigkeit. Und anstatt sich mit der Wissenschaft zu beschäftigen, schafft der Minister noch eine weitere bürokratische Struktur – eine Agentur, für die gigantische Summen ausgegeben werden sollen.

- NACH MOSKAU FAHREN, UM HEFTKLAMMERN ZU HOLEN?

- Diejenigen, die die Akademie in ihrer jetzigen Verfassung kritisieren, sagen, die RAdW sei mit übermäßigem Eigentum und Bodenbesitz belastet. Aus diesem Grunde werde eine föderale Agentur geschaffen, die den wissenschaftlichen Mitarbeitern diese Last abnehmen und sich selbst auferlegen werde.

- Erstens, die Akademie der Wissenschaften ist nicht Besitzer föderalen Eigentums. Die gesamten Immobilien gehören der Föderalen Agentur zur Verwaltung staatlichen Eigentums. Dabei handelt es sich um Gebäude, Räumlichkeiten und Territorien, in und auf denen sich Institutionen der Akademie befinden. Diese werden akademischen Institutionen zur Verwaltung übergeben. Es ist nicht klar, ob diese Agentur eine zweite Föderale Agentur zur Verwaltung staatlichen Eigentums sein soll. Was soll dann mit der ersten geschehen? Zu einem Institut gehören: das Gebäude, kommunale Kosten, Kosten für die Unterhaltung. Es müssen auch Computer gekauft werden und Reißzwecken, Heftklammern sowie Stühle. Das alles ist wirtschaftliche Tätigkeit, die das akademische Institut wie jede beliebige staatliche Verwaltung leistet. Damit beschäftigt sich ein Direktor, und es gibt auch einen stellvertretenden Direktor für derartige Fragen. Außerdem gibt es noch eine Wirtschaftsabteilung und eine Buchhaltung. Jetzt entsteht die Frage: Sollen die Buchhaltung und die Verwaltungs- und Wirtschaftsabteilung in diese Agentur verlegt werden? Und in welcher Weise wird das Institut arbeiten? Sollen wir den Onkel von der Agentur bitten, uns Heftklammern zu geben? Das ist doch Unsinn!

Es sind Gerüchte in Umlauf, dass auf dem Territorium der Institute Wohnhäuser gebaut werden sollen. Nehmen Sie eine beliebige Universität und prüfen Sie, ob es dort Wohnquartale gibt. Warum wird eigentlich nicht vorgeschlagen, eine Agentur zur Verwaltung des Eigentums von Universitäten zu schaffen? Man beschloss, zehn Universitäten einfach so je eine Milliarde Rubel zur Verfügung zu stellen. Es wurden lächerliche Kennziffern festgelegt: im Laufe von einigen Jahren sollen zwei Dutzend Artikel geschrieben werden. In unserem Institut sind etwa 100 wissenschaftliche Mitarbeiter beschäftigt, und es erscheinen im Jahr 400-450 wissenschaftliche Publikationen. Und wer bekommt das Geld? Jene, die heute Milliarden von der Regierung erhalten, die in den wissenschaftlichen Ratings irgendwo auf dem 2589. Platz von 3000 stehen.

Ist Ihnen eigentlich bekannt, dass in der ab 1. Januar 2013 im Lande eingeführten Klassifikation des Budgets überhaupt kein Abschnitt „Wissenschaft“ vorhanden ist? In dem Abschnitt „Verwaltung des Eigentums“ und „Pacht“ ist Wissenschaft vorhanden. Die Beamten betrachten die Wissenschaft als irgendein Eigentum, das Gewinn bringen muss.

- Etwas Ähnliches ist ja wohl auch mit dem Ministerium für Verteidigung geschehen…

- Dort wurden die Militärs von der wirtschaftlichen Tätigkeit befreit. Die Raketentruppen haben sich beschwert: Es mussten einige Einkäufe getätigt werden, doch man konnte dies nicht tun, da in der Division sogar die Buchhaltung aufgelöst worden war. Man musste ohne eine Frage zu stellen das nehmen, was Madam Vasil’eva für sie eingekauft hatte. Ich bin etwas irritiert von dem Herangehen an die Fundamentalwissenschaft, davon, dass sie Gewinn bringen muss. Das, was keinen Gewinn bringt, muss also liquidiert werden. Das Wesen der Fundamentalwissenschaft ist doch, Wissen zu schaffen, das nicht sofort Gewinn bringen kann. In der Wissenschaft ist „Serdjukov-Geist“ nicht gefragt. Das gilt natürlich nur, wenn von Wissenschaft die Rede ist, nicht aber bei einer feindlichen Übernahme der RAdW, wie sie gegenwärtig vorgesehen ist.

- Und da sagt man dann eben, dass die Herren Akademiemitglieder zu wenig echtes Wissen erzeugen würden. Ihre Opponenten führten dabei ins Feld, dass die Zahl der Publikationen zu gering sei und immer weiter abnehmen würde. Und eben dies ist das Kriterium, nach dem die wissenschaftliche Tätigkeit eingeschätzt wird.

- Es ist nicht leicht, die Ergebnisse der Fundamentalforschung zu beurteilen. Es gibt zwar eine amerikanische Datenbank, die heute sehr in Mode gekommene Web of Science. Sie wurde von den Amerikanern eingerichtet, um die Tätigkeit ihrer Universitäten einzuschätzen. Darin sind 93% der erfassten Publikationen in englischer Sprache enthalten. Von unseren Publikationen sind dort etwas über hundert Zeitschriften vertreten, obgleich allein von der Akademie einige Hundert herausgegeben werden. Außerdem berücksichtigen die Amerikaner nur Publikationen, die in Zeitschriften erschienen sind, nicht aber Vorträge und Monographien.

Es gibt aber z.B. auf dem Gebiet der internationalen Beziehungen ein von Experten unter der Ägide der UNO zusammengestelltes jährlich erscheinendes Nachschlagewerk „Global’nye centry mysli“ [Globale Denkzentren]. In dessen Liste sind zwei unserer Akademieinstitute enthalten – das Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen und wir. Darin sind fast tausend wissenschaftliche Forschungszentren eingeschätzt. Es gibt noch weitere Nachweise, die nicht so stark auf die englische Sprache fixiert bzw. auf Amerika orientiert sind. Betrachtet man z.B. das Rating der Forschungsgruppe SCImago (Scimago Institutions Rankings), das von der Forschungsgruppe einer Reihe europäischer Universitäten stammt und als eines der vollständigsten gilt, weil es 3290 Institutionen erfasst, die über 80% der internationalen wissenschaftlichen Produktion ausarbeiten, so nimmt die RAdW hier hinsichtlich der Zahl der wissenschaftlichen Publikationen den dritten Platz in der Welt ein. An erster Stelle steht das französische Zentrum für wissenschaftliche Forschungen und an der zweiten die chinesische Akademie der Wissenschaften. Wir nehmen Platz drei ein, Harvard den vierten. Doch im Allgemeinen bin ich davon überzeugt, dass die Zitatstellen in amerikanischen Zeitschriften kaum als Hauptkriterium der Entwicklung der Wissenschaften Russlands betrachtet werden können.

- Die Kritiker der RAdW behaupten, dass das jetzige Modell als uneffektiv einzuschätzen sei. Man könne so viel Geld wie man wolle hineinstecken, es würde kein adäquates Ergebnis erzielt werden.

- Es ist doch so, dass es all diese gigantischen Projekte wie „Rosnano“, „Skolkovo“ und in bestimmtem Maße auch die Projekte von Universitäten waren, die sich als uneffektiv erwiesen haben. Sie zeitigen geringe Ergebnisse. obgleich der Aufwand 5-6 mal höher ist als der für die Akademie der Wissenschaften. Von diesem Standpunkt aus gesehen ist die Akademie das effektivste Segment der Wissenschaft Russlands. Hier konzentrieren sich etwa 10% aller wissenschaftlichen Mitarbeiter des Landes, etwa genauso hoch sind die Ausgaben für die Wissenschaft, und es entstehen über 50% aller Publikationen. Und da behauptet man nun, die Akademie der Wissenschaften würde nichts tun! Mit Ausnahme von Abgeordneten gibt es in den Hochschulen und in anderen staatlichen Institutionen gegenwärtig ohnehin mehr Inhaber wissenschaftlicher Grade. In der Akademie sind jetzt weniger als 50 000 wissenschaftliche Mitarbeiter verblieben.

Und was „Rosnano“ und andere Strukturen betrifft, die als Parallelen herangezogen werden …, da möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen. Es war vorgesehen, dass „Rosnano“ ein Projekt betreffs Nanovakzinen zusammen mit führenden Instituten Russlands – dem wissenschaftlichen Forschungsinstitut „Gamakeja“ für Epidemiologie und Mikrobiologie bei der Russländischen Akademie der medizinischen Wissenschaften und dem Onkologischen „Gerzen“-Institut – übernehmen sollte. 59% der Gesamtfinanzierungssumme (135 Mio Rubel) wurden an vier neu geschaffene GmbH’s („Medėzrin“, „Biokon“, „Biotestlab“ und „Biomed Invest“) überwiesen. Und die Institute erhielten insgesamt etwa 110 000 Rubel.

Und „Skolkovo“? Vier Mal haben die Mitglieder des Konsultativrats die Schaffung von Skoltech auf der Basis des Technologischen Instituts von Massachusetts einstimmig abgelehnt, weil sie der Meinung waren, dass es auf der Basis von Universitäten Russlands gegründet werden müsse. Diese Ratschläge wurden jedoch ignoriert und das Geld floss in die USA. Ich hege also keinerlei Illusionen in Bezug auf diese Strukturen.

- Nach einer Intervention des Präsidenten ist die Reform der RAdW wohl gestoppt worden?

- Aber de facto werden viele Ideen dieses Blitzkrieges im Alleingang bereits umgesetzt. So wird ab 1. September entsprechend dem neuen Gesetz über das Bildungswesen zum Beispiel die Aspirantur an der Akademie der Wissenschaften eingestellt. Unser geniales Ministerium für Bildungswesen und Wissenschaft hat festgelegt, dass die Aspirantur die vierte Stufe der Hochschulausbildung ist. Sie könne nur in Hochschulen stattfinden. Die Akademieinstitute müssen die Aspirantur abschaffen. Ohne Aspirantur verlieren wir jedoch die Jugend. 1995 machten die Aspiranten an der Akademie der Wissenschaften 35% der Gesamtzahl der Aspiranten im Lande aus. Gegenwärtig sind es 10%. An den Hochschulen steht die Aspirantur in voller Blüte, und in gleichem Maße sind dort die Dissertationsräte aufgeblüht. Ihre Zahl ist in den Hochschulen auf das Fünffache angestiegen. Daher war es um die Dissertationen in den Akademieinstituten schlecht bestellt, so gut wie keine, nur seicht und oberflächlich. Und daraufhin wurde beschlossen, in den Instituten der Akademie die Zahl der Dissertationsräte stark zu kürzen.

Oder noch ein Beispiel: Es wurde eine Anweisung herausgegeben, dass das Ministerium für Bildungswesen und Wissenschaft ohne das Inkrafttreten des neuen Gesetzes abzuwarten, eine Klassifizierung aller Akademieinstitute durchzuführen hat, in solche, die akzeptiert werden, in solche, die leidlicher Durchschnitt sind, und jene, die geschlossen werden sollen. Und wer wird die Akademieinstitute schließen? Irgendeine Madam Vasil’eva, vielleicht jemand aus dem Ministerium für Bildungswesen und Wissenschaft?

- Wie soll dann aber die Akademie der Wissenschaften beschaffen sein, wenn diese Variante der Reform von den Wissenschaftlern nicht akzeptiert wird?

Die Akademie muss weiter entwickelt und nicht mit bürokratischen Methoden abgeschafft werden. So ist es z.B. erforderlich, Wahlfunktionen auf zwei Wahlperioden zu beschränken. Sonst kann es zu keiner Rotation der Kader kommen. Ich stecke schon in der vierten Wahlperiode, das ist falsch. Der Alterszensus ist für jene notwenig, die hohe Positionen einnehmen. Für Jüngere sind bestimmte Quoten erforderlich. Das führt jedoch zu keinem Ergebnis, wenn die Finanzierung der Akademie nicht um einige Male aufgestockt wird.

Das Wichtigste ist: Solange es in unserem Land die Akademie der Wissenschaft und die Fundamentalwissenschaft gibt, ist noch eine Möglichkeit vorhanden, die angewandten Wissenschaften zu entwickeln, die nach dem Zerfall der UdSSR „zusammengebrochen“ sind. Lassem wir die Fundamentalwissenschaft zu Grunde richten, dann wäre dies das Ende, dann können wir die angewandte Wissenschaft schon nicht mehr wiederherstellen. Weder das Wissen noch die Erfindungen, nichts. Wenn das liquidiert wird, so können wir die Vorstellung, Russland könnte zu einem der Kraftzentren in der multipolaren Welt werden … – naja, sagen wir einfach: … so können wie die Vorstellung einfach vergessen, dass wir unsere Interessen in Konkurrenz mit solchen Elefanten und Walen wie Amerika, China und Europa – schützen können.

http://ufa.kp.ru/daily/26126.4/3018378/