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Nur Einzelne sind in unserer Akademie Konformisten!

Nur Einzelne sind in unserer Akademie Konformisten!

Unter den Akademiemitgliedern gibt es keine Einheit hinsichtlich der Umgestaltung der RAdW: ihr Oberhaupt, Vladimir Fortov, empfiehlt, Kompromisse mit den Machtorganen zu suchen, viele Wissenschaftler fordern die Aufhebung der Reform

Für die zweitägige Konferenz „Gegenwart und Zukunft der Wissenschaft in Russland. Platz und Rolle der Russländischen Akademie der Wissenschaften“ musste sogar die Registrierung gestoppt werden. — Es waren mehr als 2500 Personen, die teilnehmen wollten, und der Große Saal der RAdW hat nur 2000 Sitzplätze. Da diese nicht ausreichten, standen Dutzende Wissenschaftler hinter der letzten Reihe und unterhielten sich leise über die Beiträge der Redner auf der Bühne.

Der Präsident der RAdW Vladimit Fortov kam sofort auf das Problem zu sprechen, das dann von fast jedem Redner behandelt wurde: die wahrscheinliche Bürokratisierung der Akademie als mögliche Folge der Reform.

Er stellte fest: „Heute sind wir alle mit dem auf kritische Weise gefährlichen Versuch in Berührung gekommen, die RAdW aus einer sich selbst verwaltenden in eine tote bürokratische Struktur zu verwandeln,“ Der erst kürzlich gewählte Präsident teilte mit, dass bereits am 30. August eine Zusammenkunft der Leitung der RAdW mit Vertretern von „Einiges Russland“ stattfinden wird, auf der die Änderungsvorschläge zu dem Gesetzentwurf behandelt werden sollen. Bei der Beantwortung von Anfragen aus dem Saal konkretisierte er dies dahingehend, dass „eine Unterhaltung mit Železnjak (stellvertretenden Sekretär des Generalrats von „Einiges Russland“ Sergej Železnjak. RP) und seiner Truppe“ stattfinden wird. Gegenwärtig seien – so Fortov – insgesamt bereits etwa 200 Änderungsvorschläge vorhanden, die alle bei der Duma eingereicht worden seien.

„Und wer ist Železnjak, dieser ominöse Abgeordnete?“, wurde von den Wissenschaftlern im Saal gefragt.

„Es gab für uns zwei Wege, fuhr Fortov fort: Entweder totale Ablehnung oder Suche nach einem Kompromiss. Wir wählten Letzteres. Umso mehr als der Präsident uns die Hand gereicht und gesagt hatte, dass er viele unserer Thesen unterstütze. — Wir haben die Änderungsvorschläge formuliert, sie sind mit Putin abgestimmt worden, und er hat sie unterstützt.

Der Präsident der RAdW sagte, nachdem am 26. Juni die Angelegenheit mit der Reform bekannt geworden war, „haben wir die ganze Nacht hindurch gesessen — ich, Livanov und Golodec — und haben versucht, an diesem Gesetz etwas Vernünftiges zu finden, doch wir haben keinen Kompromiss gefunden.“ Am 3. Juli nahm die Staatsduma den Gesetzentwurf in erster Lesung an.

„Eine Wendung um 180 Grad trat ein“, – wie Fortov sagte – nachdem Putin sich mit der Reform beschäftigt und selbst einige Ideen eingebracht hatte. „Er sagte, dass er das Gesetz nicht aufhalten könne, schlug jedoch vor, dieses so zu reformieren und aufzubauen, dass es akzeptabel ist. Wir werden alles durch Anordnungen nachbessern.“ — Fortov wiederholte hier die Worte Putins. Dies führte, nach Meinung des Präsidenten der RAdW dazu, dass sich die zweite Lesung des Gesetzentwurfs gegenüber der ersten bedeutend unterschied und einige Thesen, die besonders scharf kritisiert worden waren, verändert wurden. Das genaue Datum der dritten Lesung ist noch nicht bekannt, doch wahrscheinlich wird dies nicht später als Mitte des Herbstes sein.

Nur Einzelne sind in unserer Akademie Konformisten!“, sagte Fortov, und erntete im Saal stürmischen Beifall.

Nicht weniger stürmisch wurde applaudiert, als er zwischen dem im Gesetzentwurf vorgesehenen neuen Machtorgan, das sich mit dem Eigentum der RAdW beschäftigen soll und dem zum allgemeinen Gespött gewordenen „Oboronservis“ [Verteidigungsservice] eine Parallele zog und die geplante neue Behörde „Akademservis“ [Akademieservice] nannte.

Im Schlussteil seiner Rede riet Fortov den Anwesenden, sich nicht übermäßig von der Politik mitreißen zu lassen: „Das wollten ja gerade unsere Opponenten — sie wollten unsere berechtigte Diskussion auf die politische Ebene ziehen. Das ist eine Waffe, die man gegen uns ausnutzen wird.“

Eine derartige Meinung wurde aber bei weiten nicht von allen unterstützt. Den stärksten Beifall bekamen die mehrfach von der Tribüne wiederholten Vorschläge, den Gesetzentwurf einfach aufzuheben und nicht zu reformieren. So erinnerte Professor Aleksandr Buzgalin von der Moskauer Staatlichen Universität an die bekannten Worte „Als sie kamen, um die Juden zu holen, habe ich geschwiegen“ und die akademische Gemeinschaft zu Einheit und Solidarität aufgerufen.

„Je stärker und heftiger der Druck auf die Machtorgane ist, desto größer ist die Hoffnung auf einen erfolgreichen Kompromiss. Das ist ein Gesetz. Unser gemeinsamer Kampf — das ist der Grund, weshalb sich Putin auf einen Dialog eingelassen hat, sagte Buzgalin und löste Beifall aus.

Der Professor äußerte die Meinung, dass die Verfasser des Gesetzentwurfs die Wissenschaftler beleidigt haben, und dass die weiteren Aktionen darauf hinauslaufen müssen, „das Gesetz abzulehnen, es abzuberufen und gründlich zu beraten, was für eine Bildung und was für eine Wissenschaft wir brauchen“.

Der bekannte Kinderarzt Leonid Rošal’erinnerte an die Verfasser des Gesetzentwurfs und machte auf folgendes aufmerksam: „Nach der Unterhaltung mit Putin hatte ich begriffen, dass man ihn um den Finger gewickelt hatte und er versucht, die Situation zu korrigieren. Ich habe in dem Gesetz nicht einen einzigen Punkt gefunden, der die Wissenschaft voran bringt, meinte Rošal’. Es sei eine Großtat, wenn man sich jetzt in Russland mit Wissenschaft beschäftigt. „Man müsste Sie auf Händen tragen, dass Sie immer noch hier arbeiten«, sagte er den Wissenschaftlern und äußerte die Meinung, dass er persönlich das Gesetz in seiner jetzigen Fassung für überflüssig halte.

Anna Ščerbina vom „A.N-Frumkin“-Institut für physikalische Chemie und Elektrochemie machte darauf aufmerksam, dass „die jungen Wissenschaftler, auf die Straße gehen mussten, anstatt sich mit Wissenschaft zu beschäftigen“.

Und die Witwe von Aleksandr Solženizyn, Natal’ja Dmitrievna, berichtete, dass „ Solženizyn keinen seiner Titel so wenig schätzte wie den des Akademiemitglieds. Und sie erinnerte daran, dass die Kaiser und Kaiserinnen klug genug waren, die Unabhängkeit der Akademie nicht anzutasten.

Einige Teilnehmer der Konferenz, die zur Pause unterwegs waren, äußerten sich voller Begeisterung über die „hervorragenden Beiträge“. Andere wiederum hatten Zweifel: „Fortov wird alle verkaufen“, sagten sie.

Nach der Pause wurde die Diskussion fortgesetzt. Die Stimmung war unverändert. Vor der Tribüne tauchten zwei Plakate auf, von einem am letzten Sonnabend durchgeführten Meeting gegen die Reform der RAdW.

Der frühere Mitbewerber Fortovs um den Posten des Akademiepräsidenten, Nobelpreisträger Žores Alferov, verlas ein Schreiben von Nobelpreisträgern, die ihrer Sorge angesichts der Situation im Zusammenhang mit der RAdW Ausdruck verliehen. Es wurde der Gedanke vom Nutzen eines Gesetzes über die Entwicklung der Akademie der Wissenschaften geäußert. Man solle jetzt „nicht zur Diskussion konkreter Punkte übergehen, denn bei einer solchen Diskussion wird man uns sowieso betrügen“, sagte Alferov. „Dieses Gesetz ist vollkommener Unfug. Es ist eine einzige Beleidigung der ganzen wissenschaftlichen Gemeinschaft Russlands!“

Die abschließende Resolution der Konferenz wird am Freitag verabschiedet. Doch bereits heute haben die wissenschaftlichen Mitarbeiter beschlossen, dass die Konferenz ständigen Charakter tragen soll und dass die Wissenschaftler, falls dies erforderlich ist, erneut zusammentreten können. In einer weiteren Resolution zur Reform der RAdW haben die Wissenschaftler mit Stimmenmehrheit den Rücktritt der Ministers für Bildungswesen und Wissenschaft Dmitrij Livanov und der Vize-Premierministerin Ol’ga Golodec gefordert. Die Beratung möglicher Alternativen zur Reform der RAdW sind ebenfalls für Freitag vorgesehen.

http://rusplt.ru/society/reforma-ran-obsugdenie.html