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Der Gefangene da Vinci

Der Gefangene da Vinci

Vor seinem Tode hatte dieser Mensch testamen­tarisch festgelegt, dass alle seine Papiere in einer Zinkkiste eingelötet werden sollten, die erst 2197 geöffnet werden dürfe. Er war in einer unglaub­lich reichen italienischen Aristokratenfamilie aufgewachsen und hatte viele Jahre in der Sowjet­union im Gefängnis und in der Verbannung zuge­bracht. Für die Luftfahrt unseres Vaterlandes hatte er mehr getan als je ein anderer Ingeni­eur und Konstrukteur, doch sein Name ist immer noch wenig bekannt und wurde erst nach dem Zerfall der UdSSR offen gelegt. Als 1968 das erste Überschall-Passagierflugzeug der Welt Tu-144 aufstieg, konnte niemand auch nur ahnen, dass das Konstruktionsbüro Tupolev in Wirklichkeit nur ein zwanzig Jahre altes Konzept zu Ende gebracht hatte, das von einem geheimnisumwobenen Italiener in einer der wissenschaftlich-technischen Spezielabteilungen der Gefängnisse Berias entworfen worden war. Seine Schüler waren der Raketenbauer Sergej Korolev und der Leiter des Besonderen Konstruktionsbüros „Suchoj“ Michail Simonov. Die dort tätigen Erfinder waren ihrer Zeit so weit voraus, dass von allen projektierten Maschinen nur vier bis zum Probelauf gebracht wurden und nur eine für kurze Zeit in Serienproduktion ging. Faktisch aber enthalten alle jemals in der UdSSR und in Russland gebauten Flugapparate, einschließlich der berühmten Raumfähre „Buran“ [Schneesturm] deren zahlreiche Erfindungen und Technologien. Experten sagen, dass dieser Mensch hinsichtlich seiner Genialität und seiner Fähigkeit, die Zukunft vorauszusehen, nur mit dessen großem Landsmann Leonardo da Vinci vergleichbar gewesen sei.

Baron Roberto Bartini, der ohne Übertreibung das größte Genie des Flugwesens des 20. Jahrhunderts war, kam mit dem Ziel in die UdSSR, am Aufbau des Kommunismus teilzunehmen, dessen Anhänger er seit seiner frühen Jugend war. Er hat der kommunistischen Partei sogar das viele Millionen zählende Erbe seines Vaters zur Verfügung gestellt. Aus „Dankbarkeit“ dafür (sowie noch für eine Unmenge einzigartiger Zeichnungen, die er aus Italien mitgebracht und Tuchačevskij übergeben hatte) brachte man den „roten Baron“ ebenso wie man es bereits mit dem „roten Marschall“ getan hatte, in die Lubjanka. wo man ihn durch Schläge zu einer Aussage zwingen wollte, er habe „für den italienischen Geheimdienst gearbeitet“. Über zehn Jahre wurde der Kommunist Bartini zur Geisel und zum Opfer seines eigenen Ideals – der Sowjetmacht. Viele seiner genialen Erfindungen machte er als Gefangener Bartini.

So erfand er im Gefängnis den ersten reaktiven Abfangjäger der Welt mit variablem Flügelprofilquerschnitt, den ersten Doppelpfeilflügel, ohne den es heute den amerikanischen „Shuttle“ nicht geben würde, sowie den ersten Passagierliner mit breitem Rumpf; hier stellte er viele bedeutsame Baugruppen und Details her, die bis heute im Flugzeugbau genutzt werden. Seine Ideen waren so phantasiereich, dass man es anfangs gar nicht glauben wollte; doch allmählich erkannte man in den Gefängniswerkstätten, dass Bartini ein Genie und einen „Magier“ war. Man sagte, Bartini sei ein aerodynamisches Rohr, so exakt waren seine Berechnungen.

Bartini war in die UdSSR gekommen, um bei der Herausbildung der jungen sowjetichen Luftfahrt „behilflich zu sein“. Ungeachtet des damaligen Mangels an Ingenieuren arbeitete er anfangs als einfacher Laborant für Photogrammetrie. Doch er war über sein engeres Fachgebiet hinaus noch auf vielen anderen Gebieten firm: in Literatur, Architektur und Geschichte, er konnte Klavier spielen, beschäftigte sich mit Malerei, beherrschte viele Sprachen… Seine Maschinen wurden auch von anderen Personen zum Vorbild genommen und nachgezeichnet. Wenn Bartini irgend etwas bemerkte, betrachtete er es gleich mit Weitblick. Er setzte sich hin, schloss die Augen – es vergingen einige Stunden, dann nahm er einen Stift und begann zu zeichnen. Das konnte er hervorragend! Nachdem er wieder in Freiheit war, 1946, wurde er Leiter des Konstruktionsbüros beim Flugzeugbau in Taganrog. Und obgleich er formell schon nicht mehr unter Bewachung stand, war es ihm dennoch nicht gestattet, diese im Süden gelegene Stadt zu verlassen. Er wusste, dass sein Name nie auf dem Rumpf eines Serienflugzeuges stehen würde. Er wusste, dass alle seine Ideen von anderen Konstruktionsbüros ohne Nennung seiner Autorschaft genutzt wurden. Und dennoch setzte er das alles ohne Unterbrechung fort, immer weiter, eine Sache nach der anderen. 

Die Zeit hat eine Breite

 

“Ein unverstandenes Genie der sowjetishen Luftfahrt“, so wird Robert Ljudvigovič später von dem Flugzeugkonstrukteur Antonov genannt.

Von 60 von Bartini konstruierten Flugzeugen wurden nur einige wenige gebaut. Zu weit war er mit seinen Überlegungen schon den Möglichkeiten der Gegenwart voraus. Bereits Anfang der vierziger Jahre hatte Bartini ein reaktives Flugzeug konstruiert. Es sollte mit einer Geschwindigkeit von 2400 km/h fliegen. „Das kann nicht sein“, sagten die sowjetischen Flugzeugkonstrukteure. „Es kann kein Flugzeug ohne Schraube gebem.“

„Flugzeuge waren für Vater immer ein Handwerk. Die theoretische Physik betrachtete er als das Wichtigste in seinem Leben.“ Das sagte sein Sohn Vladimir Robertovič über seinen Vater.

Der Artikel “ Beziehungen zwischen physikalischen Größen“ von Robert Oros di Bartini, der 1965 in der bekannten Zeitschrift „Doklady akademii nauk“ [Berichte der Akademie der Wissenschaften] erschien, löste einen Skandal aus. Der Verfasser behauptete, die Zeit sei dreidimensional, habe Länge, Breite und Höhe. Immerhin ist unser Raum sechsdimensional. Diese Zahl von Maßen ist am beständigsten.

Als Beweis für seine Gedanken führte Bartini die entsprechend seiner Theorie berechneten Werte der Konstanten von Planck an, der Ladung des Elektrons, seiner Masse usw. Diese Werte stimmten in höchster Genauigkeit mit dem überein, was sich experimentell ergeben hatte.

Heute würde die Sechsdimensionalität des Alls unter den theoretischen Physikern keine besonderen Widersprüche hervorrufen. Aber 1965 hatte man den Artikel eher aus Mitleid und Sympathie gegenüber dem 68-jährigen Bartini veröffentlicht. Wer weiß, vielleicht wäre es Bartini tatsächlich noch gelungen, seine Theorie von der Sechsdimensionalität des Raumes in der Praxis umzusetzen (eine der Folgen dieser Theorie ist: im sechsdimensionalen Universum kann man sich in der Zeit bewegen, indem man die Bewegung im Raum nutzt, denn die Zeit ist dreidimensional und raumähnlich – sie ist das, was wir mit den Worten „weit“ und „lange“ bezeichnen, – im Wesentlichen ein und dasselbe; in der Welt gibt es keine Bewegung, sondern eine ruckweise, sprunghafte Zustandsveränderung – von „Bild“ zu „Bild“).

Auch die Geschichte der Entstehung des sowjetischen Tarnkappenflugzeugs ist ein Geheimnis gebllieben. Der bekannte sowjetische Historiker Šarov behauptet, es sei mindestens ein derartiger Flugapparat gebaut worden. Nachdem man den Motor angeworfen habe, sei das Flugzeug einfach verschwunden.

Vielleicht ist es Bartini aber auch gelungen, das Flugzeug in einem Parallelraum zu „verstecken“, es in eine von unserer Erde abgewandte Richtung zu „bewegen“; es in die Vergangenheit oder in die Zukunft zu verschieben…

Unsichtbarkeit erzielen kann man auf unterschiedlichen Wegen: das Flugzeug durchsichtig oder zum Spiegel zu machen.

Man könnte auch noch versuchen, den Lichtstrahl so zu krümmen, dass er um das für uns zutreffende Objekt herum führt. Einstein hat gesagt, so etwas sei möglich. In der Nähe großer Massen. Oder in starken elektromagnetischen Feldern.

Erst 1991 wurde zum ersten Mal der Name des Urhebers des geheimnisvollen Flugapparates genannt: Bartini. Der Initiator des Projekts „Das durchsichtige Flugzeug“ war aber Tuchačevskij, der den Konstrukteur in den dreißiger Jahren unterstützt hatte. 

***

Bartini lebte allein, ohne Frau, Sohn und Enkel, die er sehr liebte. Er arbeitete immer im Halbdunkel (durch eine Krankheit konnten sich seine Pupillen nicht verengen). In einem großen Durchgangszimmer brannte das schwache Licht eines mit Gaze umwickelten Kronleuchters und einer Tischlampe mit selbst gebasteltem Lampenschirm aus dickem grünem Papier.

Der Konstrukteur liebte es, recht spezifische Bilder zu malen. Ein Konstrukteur aus Taganrog, Vladinir Voroncov, der einmal in Bartinis mosksauer Wohnung war, hatte dort ein Bild gesehen, das aus dem Jahr 1947 stammte und ihn außerordentlich beeindruckt hatte. Es stellte eine abfliegende Rakete dar, deren Flamme bei ihm Verwunderung auslöste. Sie hatte die Form einer Feuerkugel. Woher sollte er auch wissen, wie ein Raketenstart aussehen würde!? Der ehemalige Parteisekretär von Bartinis Konstruktionsbüro erinnerte sich Ende der sechziger Jahre daran, dass Robert Ljudvigovič von irgendeinem globalen Projekt mit der Bezeichnung „Spinnennetz“ gesprochen hatte.  

***

Der Biograf von Bartini, Čutko, berichtete davon, dass auf Robert Ljuvigovičs Bitte ein Zimmer seiner Wohnung von den Malern grell rot angestrichen werden sollte; ein anderes Zimmer hatte er selbst bemalt: auf einer blauen Zimmerdecke prangte eine Sonne, etwas tiefer, an den Wänden, war die Oberfläche des Meeres mit einigen verstreuten kleinen Inseln zu sehen. Mit zunehmender „Tiefe“, je grüner das Wasser wurde und schließlich ganz unten, am „Boden“, wurde es immer dunkler. Im roten Zimmer pflegte der Baron zu arbeiten, und „am Boden“ ruhte er sich aus. Da trank er ein eigenartiges Gemisch aus sehr starkem Tee und Kaffee im Verhältnis 2:1 mit Kondensmilch, wozu er gern Waffeltorte Marke „Überraschung“ aß.  

***

Wenn die Konstrukteure zu einem Gespräch mit Robert Ljudvigovič kommen wollten, mussten sie sich vorher telefonisch mit ihm verabreden, sonst ging er erst gar nicht zur Tür. Aus irgendeinem Grunde war er ängstlich. Wie er selbst berichtet hatte, seien drei Mal Anschläge auf ihn verübt worden: in Berlin, in Sevastopol’ und in Moskau. Mitten im Zentrum der Hauptstadt habe 1967 ein „Moskvič“ mit ausgeschalteten Scheinwerfern versucht, ihn auf der Ulica Kirova umzufahren.

Bartini starb in der Nacht vom 4. zum 5. Dezember 1974. Als man ihn zwei Tage später fand, lag er im Bad auf dem Fußboden, das Wasser lief noch aus dem Hahn, und in der Küche brannten die Gasflammen auf dem der Gasherd.

Wie von der Miliz festgestellt wurde, hatte sich Bartini in der Nacht schlecht gefühlt. Er sei vom Tisch aufgestanden und habe dabei einen Stuhl umgerissen. Anschließend sei er in die Küche gegangen, habe das Gas angezündet und im Bad Wasser in die Wanne einlaufen lassen. Danach sei er auf den Rücken gefallen, und dabei habe er sich mit dem Kopf an einem Pfosten gestoßen.

Bartini hat seinen nahenden Tod geahnt: In dieser Nacht hatte er sein Testament geschrieben, das er in einen schwarzen Umschlag gesteckt und hinter eine feste Gardine gelegt hattee. Auf dem sorgfältig zugeklebten Umschlag stand: „Von meinen Artikeln über die Konstanten habe ich eine Schlussfolgerung herausgenommen. Ich bitte euch, zu einem euch angemessen erscheinenden Zeitpunkt in irgendeiner von euch zu wählenden Form darüber zu informieren, dass ich, Roberto Bartini, mathematisch auf diese Schlussfolgerung gekommen bin; ich bin nicht davon überzeugt, dass ich mich nicht geirrt habe, darum habe ich sie auch nicht veröffentlicht. Sie muss noch überprüft werden, dafür habe ich aber keine Zeit mehr. Die Schlussfolgerung beinhaltet: Die Menge des Lebens im Universum, das heißt, die Menge der Materie, die sich in der unendlich weit von uns entfernten Vergangenheit selbst und auch seine Umgebung plötzlich gesehen hat, ist ebenfalls eine ständige Größe. Eine Weltkonstante. Aber natürlich für das All und nicht für einen einzelnen Planeten…

Das heißt aber, wir treffen uns noch.“

 

Aus einem Artikel von Sergej Medvedev 

***

Während der geschlossenen Feier anlässlich seines fünfundsiebzigsten Geburtstages hob der Jubilar schweigend die geballte Faust als symbolischen Gruß für die Komintern, deren Anhänger er in seiner Jugend war und deren Mitglieder längst verschwunden waren – die einen in den Erschießungskellern der Lubjanka, die anderen in Lagern der Kolyma. Viele haben diese Geste als Symbol für Bartinis Treue zum Kommunismus aufgefasst. Wir aber sind geneigt zu glauben, es war die Geste des Siegers, bei dem es nicht gelungen war, ihn umzubringen und in die enge Zinkkiste des Vergessens einzuschweißen. Roberto Bartini, ein italienischer Baron und einer der Väter der Luftfahrt Russlands, wusste wie alle, die die kommende Perspektive zu deuten wissen, wie sich auch seine fernere Zukunft gestalten würde. Er hat vorausgesehen, dass seine Ideen, die Millionen von Menschen Freuden am Flug gebracht haben, sie auch unbesiegbar und leicht über enge schwere Realitäten hinwegtragen werdem wie die menschliche Seele, die Flügel besitzt.

 

Sergej Protasov 

P.S. In einem nach dem Tode von Bartini in einem Mitteilungsblatt veröffentlichten Artikel heißt es: „Er war ein außerordentlich bescheidener Arbeitsmensch. Mit seinen Leistungen hätte er die höchsten wissenschaftliche Grade verdient.“

Im zweiten Band der ufologischen „Enzyklopädie des noch Unerkannten“ wird Bartini als Außerirdischer beschrieben, der die technische Entwicklung der menschlichen Zivilisation kontrolliert…

Kürzlich wurde einem der kleinen Planeten des Sonnensystems der Name Bartini zuerkannt.

Am 14. Mai 1997, an seinem 100. Geburtstag, wurde im Foyer des von ihm geleiteten Konstruktionsbüros eine Erinnerungstafel für Bartini eingeweiht.

Im selben Jahr wurde das vertikal aufsteigende Amphibienfahrzeug ВВА-14, eine der letzten Arbeiten des Konstrukteurs, in Taganrog zu Metallschrott zerlegt.

 

http://www.sguschenka.com/04-bartini/