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Der August 1991 aus persönlichem Erleben

Der August 1991 aus persönlichem Erleben

Die August-Artikel von Professor Wladimir Kalaschnikow über die Geschichte der Demontage der UdSSR haben eine breite Resonanz gefunden, und der Verfasser wurde vielfach gebeten, über seine persönliche Einstellung zu den beschriebenen Ereignissen zu berichten. Er beantwortete die Fragen unseres Korrespondenten Aleksandr Borissow!

http://spbvedomosti.ru/news/politika/avgust_1991_go_v_nbsp_lichnom_formate/

- Im Sommer 1991 waren Sie Sekretär des ZK der KPdSU. Sie waren in Moskau und haben bestimmt miterlebt, was geschah. Doch Ihre Artikel enthalten keine persönlichen Eindrücke.

Es fällt mir schwer, über meine persönliche Teilnahme und meine Meinung zu den Ereignissen des Sommers 1991 zu sprechen, denn in der Gesellschaft dominiert aus verständlichen Gründen eine Schwarz-Weiß-Darstellung dieser Angelegenheit. Die Geschehnisse sind aber sehr kompliziert, und diese ganze Kompliziertheit kann nicht mit wenigen Worten erklärt werden. Meine persönliche Haltung wird jedoch aus meinen Artikeln deutlich. Die Einführung des Ausnahmezustandes im August halte ich für eine tragische Dummheit, die es der Jelzintruppe dann auch ermöglichte, die KPdSU zu verbieten und die UdSSR zu zerstören. Die Demontage der UdSSR ist ein schweres Verbrechen. Ein Schaden für Russland, das möchte ich unterstreichen; gerade für Russland war dies ein gewaltiger Schaden. Wir haben immer noch nicht voll erkannt, wie gewaltig dieser Schaden ist. Obgleich die Ukraine dies heute zeigt: die Mine, die 1991 gelegt wurde, ist zwei Jahrzehnte später explodiert.

- Mit was waren Sie im Sommer 1991 beschäftigt?

Mit der Vorbereitung des Entwurfs für ein neues Programm der KPdSU. Der Entwurf war am 26. Juli auf der Plenartagung des ZK im Wesentlichen gebilligt worden; er wurde unter Berücksichtigung der gemachten Bemerkungen überarbeitet und am 10. August in der „Prawda“ [Die Wahrheit] als Grundlage für die Beratung in den Parteiorganisationen veröffentlicht.

- Das Juliplenum des ZK war übrigens das letzte in der Geschichte der KPdSU. Haben sie dort gesprochen?

Ja. Ich habe über den Programmentwurf gesprochen sowie über die Situation im Lande und in der Partei. Zu diesem Zeitpunkt hielt ich es für die wichtigste Aufgabe des ZK, den Unionsstaat zu erhalten, und dafür musste die Einheit der KPdSU selbst bestehen bleiben.

Die Gefahr einer Spaltung war auf dem Aprilplenum deutlich zu Tage getreten, als ein Teil der ZK-Mitglieder den Generalsekretär zum Rücktritt bewegen wollte, der andere Teil aber dagegen war. Nach dem Statut hatte ein ZK-Plenum kein Recht, einen von einem Parteitag direkt gewählten Generalsekretär abzusetzen. Die Absetzung eines Generalsekretärs unter Verstoß gegen das Statut musste automatisch zur Spaltung führen.

- Warum war denn eine Spaltung der KPdSU so gefährlich?

Eine Spaltung hätte Jelzin freie Hand gegeben, ohne jegliches Staatliche Komitee für den Ausnahmezustand zu handeln. Zwei oder drei neue Parteien hätten das Eigentum der früheren KPdSU aufgeteilt, sie hätten einen „Kompromittierungs“krieg geführt usw. Das hätte zur Folge gehabt, dass die einfachen Parteimitglieder in großer Zahl aus der KPdSU ausgetreten wären; und in dieser Situation wären sie nicht in neue Parteien eingetreten. Und was von besonderer Bedeutung war, – sämtliche Kommunistische Parteien der Unionsrepubliken wären ins „Schwimmen“ geraten.

Aus diesem Grunde habe ich auch auf dem Plenum gesagt, dass das ZK keine Schritte unternehmen dürfe, die eine Spaltung provozieren könnten. Man hätte lernen müssen, im Rahmen der vorhandenen Vielzahl der Parteien zu kämpfen und hätte nicht alles auf den Generalsekretär abwälzen dürfen.

- Und Gorbatschow trägt keine Schuld an der Krisensituation, die vor dem August 1991 im Lande entstanden war?

Natürlich trägt er eine Schuld. Aber nicht nur er. Sagen Sie doch, wer war daran schuld, dass die Volksdeputierten Russlands, von denen 86% Mitglieder der KPdSU waren, 1990 einmütig die Deklaration über die Souveränität und einen Haufen Beschlüsse angenommen hatten, die eine allgemeine „Parade von Souveränitätserklärungen“ und einen „Krieg der Gesetze“ provozierten? Hatten diese Kommunisten denn nicht begriffen, was sie taten? Und hatten denn die lokalen Parteileitungen keinerlei Einfluss auf die Meinung ihrer Deputierten, die Mitglieder der Kommunistischen Partei waren?

- Und mit welchem Ergebnis endete dann das letzte Plenum?

Es wurde beschlossen, dass im Herbst ein Parteitag stattfinden und das Programm angenommen werden sollte und dass das ZK und der Generalsekretär strikt auf der Grundlage des Statuts gewählt werden sollten. Die Diskussion vor dem Parteitag ermöglichte eine objektive Einschätzung der Arbeit des Generalsekretärs, jedes ZK-Mitgliedes und aller Glieder der Partei. Ein solcher Weg hätte dazu geführt, eine Spaltung zu vermeiden und die Partei als wirkliche politische Kraft zu konsolidieren. Doch dieser Weg wurde durch die dilettantische Aktion des Staatlichen Komitees für den Ausnahmezustand versperrt.

- Wussten Sie vorher etwas von dem Beschluss, ein Staatliches Komitee für den Ausnahmezustand zu schaffen?

Ich wusste, dass über die Frage der Einführung des Ausnahmezustandes diskutiert wurde, doch Gorbatschow hielt dies für verfrüht, und mir wäre nicht in den Kopf gekommen, dass irgendjemand aus seiner Truppe unter Umgehung des Präsidenten einen solchen Schritt tun würde. Das Sekretariat des ZK hat diese Frage überhaupt nicht erörtert. Von den Sekretären des ZK wusste nur Oleg Schenin etwas von dem am 18. August angenommenen Beschluss. Da der erste Stellvertreter des Generalsekretärs Wladimir Iwaschko krank war, hatte Gorbatschow Schenin in „Dienstbereitschaft“ versetzt. Dieser hatte in der Nacht zum 19. August noch zwei weitere Sekretäre des ZK über den Beschluss informiert. Die anderen erfuhren davon am Morgen aus dem Nachrichtendienst.

- Hat er Ihnen seine Handlungsweise erklärt?

Er hat erwähnt, dass nach der Aufhebung von Artikel 6 der Verfassung der UdSSR ein Beschluss über die Einführung des Ausnahmezustandes im Kompetenzbereich der höchsten Verantwortungsträger des Staates liege und gab zu verstehen, dass die Mitglieder des Staatlichen Komitees für den Ausnahmezustand die Sekretäre des ZK nicht in diese Angelegenheit einbeziehen wollten. Sie hatten beschlossen, die „Dreckarbeit“ selbst zu machen, denn sie wussten, dass dies sie auch im Falle eines Erfolgs die Karriere kosten würde: Gorbatschow würde sie opfern. Von einem Rücktritt Gorbatschows oder davon, dass er „nicht zuückkehren“ würde, war keine Rede.

- Wusste Schenin, dass Gorbatschow gar nicht krank war?

Auf meine Frage antwortete er, der Präsident sei sehr müde und erschöpft, es falle ihm schwer, die notwendigen Beschlüsse zu fassen. Vor der Abreise machte Gorbatschow wirklich den Eindruck eines äußerst abgespannten Menschen; in Gesellschaft hielt er sich aber in guter Verfassung. Schenin hat auch bestätigt, dass dem Generalsekretär „kein einziges Haar gekrümmt werden“ würde. Alle Informationen waren der Art, dass ich keinen Zweifel hegte, dass die Truppe des Präsidenten die „Dreckarbeit“ in stillem Einverständnis bzw. mit „teilweisem Einverständnis“ Gorbatschows machen.

- Und sind Sie auch jetzt noch dieser Ansicht? Viele sprechen bis heute von einer „Verschwörung von Gorbatschow selbst“.

Aus allen späteren Informationen ergibt sich, dass sich Gorbatschow bei dem Besuch am 18. August in Foros nicht mit der Einführung des Ausnahmezustandes einverstanden erklärt hat, er habe die Aktion aber auch nicht aufgehalten. Das hätte er tun können. Obgleich die Sonderleitung abgeschaltet worden war, hat Gorbatschow am späten Abend des 18. August über die normale Telefonleitung seinen treuen Anhänger, das einflussreiche Mitglied des ZK Arkadi Wolski, angerufen und ihm mitgeteilt: „Jetzt wird man sagen, ich sei krank, aber du sollst wissen, dass ich gesund bin.“ Doch er hat Wolski nicht gebeten, dies jenen Sekretären des ZK zu übermitteln, die bekanntermaßen gegen eine Einführung des Ausnahmezustandes ohne gesetzliche Grundlage waren. Was besagt dieser Telefonanruf? Entweder hat sich Gorbatschow auf diese Weise abgesichert, weil er für sein Leben fürchtete, oder er wollte die Mitglieder des Staatlichen Komitees für den Ausnahmezustand bei dem Versuch, die „Dreckarbeit“ zu machen, nicht stören. Es hätte ja vielleicht auch klappen können! Ich möchte nicht herumraten, was ihn in diesem Augenblick bewegt hat.

- Und wenn am Abend des 18. August das Sekretariat zusammengetreten wäre, hätte er dann das Staatliche Komitee für den Ausnahmezustand unterstützt?

Einen offensichtlichen, für die Bevölkerung des Landes verständlichen Grund für die Einführung des Ausnahmezustandes gab es damals nicht. Und man hätte den Ausnahmezustand auch nicht ohne exakte rechtliche Grundlage und ohne eine handfeste Erklärung, warum das notwendig sei, einführen können. Die Initiative Schenins hätte im Sekretariat des ZK zumindest zu einer ernst zu nehmenden Spaltung geführt.

- Warum ist es aber am Morgen des 19. August nicht zu einer solchen Spaltung gekommen, als Schenin jene Sekretäre zusammengerufen hatte, die sich in Moskau befanden? Warum hat sich keiner von ihnen öffentlich gegen das Staatliche Komitee für den Ausnahmezustand gewandt?

Weil der Ausnahmezustand bereits eingeführt worden war; das konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden. Und unter diesen Bedingungen konnte keiner, der gegen die Aktion war, diese nun offen verurteilen. Das hätte bedeutet, dass man jenen aus den Reihen der eigenen Genossen in den Rücken gefallen wäre, die ehrlich für die Erhaltung der UdSSR eintraten und die Unterzeichnung eines neuen Unionsvertrages mit unbestimmten Folgen verhindern wollten.

Natürlich gab es in diesen Tagen im ZK unterschiedliche Meinungen, und es wurden unterschiedliche Schritte erörtert; doch „gute“ Schritte gab es in dieser Situation bereits nicht mehr. So erging am Morgen des 19. August vom ZK auch nur an die Ersten Sekretäre der Gebietskomitees und an die Republikkomitees ein Geheimtelegramm, in dem empfohlen wurde, das Staatliche Komitee für den Ausnahmezustand zu „unterstützen“, sich jedoch „in der praktischen Tätigkeit von der Verfassung der UdSSR leiten zu lassen“. Mit anderen Worten, das ZK hatte den Parteiorganisationen keine Sanktionen zum Handeln erteilt, die gegen die Verfassung der UdSSR verstießen, und es hat auch dem Staatlichen Komitee für den Ausnahmezustand keine derartigen Aktionen zugestanden. Jetzt erscheint dieses Telegramm widersinnig, doch damals war es jener Kompromiss, der eine Spaltung im Sekretariat des ZK abwandte. Ich möchte darauf hinweisen, dass damals und auch später niemand von den Sekretären des ZK der KPdSU versucht hat, sich selbst zu entlasten und andere zu belasten.

Alle Organe der KPdSU waren im Wesentlichen kollektive Geiseln der Aktionen des Staatlichen Komitees für den Ausnahmezustand. Die Sekretäre der Gebietskomitees wie die Sekretäre des ZK konnten ihm unter den Bedingungen, als der Ausnahmezustand bereits ausgerufen worden war, nicht in den Rücken fallen. Noch dazu, wo niemand auch nur im Geringsten daran gedacht hatte, dass dies Vizepräsident Gennadi Janajew ja schon selbst aus eigener Initiative getan haben konnte.

- Wessen Initiative war es denn nun wirklich? Wie sehen Sie das jetzt?

Krjutschkows. Die übrigen Mitglieder des Staatlichen Komitees für den Ausnahmezustand haben einfach daran geglaubt, dass Krjutschkow alles „in der Hand hat“, dass er alles vorbereitet hat. Eine wichtige Rolle hat auch Oleg Baklanow gespielt. Er war für den militärisch-industriellen Komplex verantwortlich und wusste, welcher Schlag gegen den Verteidigungskomplex den Zerfall des föderativen Staates nach sich ziehen würde. Er hat ebenso wie Jasow und Pugo keinerlei persönliche Vorteile verfolgt, Von diesen drei Personen weiß ich das genau.

- Und schließlich: wie schätzen Sie insgesamt die Meinung und Rolle Gorbatschows bei den Ereignissen von 1991 ein?

Gorbatschow war bestrebt, die UdSSR als sozialistischen Staat zu erhalten. Alles Gerede darüber, dass er schon vorher geplant hätte, dem Sozialismus den Garaus zu machen, ist dumm. Doch Gorbatschow hat sich gefürchtet, seine verfassungsmäßigen Vollmachten zum Schutz des Sozialismus und der Einheit der UdSSR gegen die Attacken der Separatisten und „Demokraten“ anzuwenden. Er hatte den Nobelpreis für Frieden erhalten und wollte sowohl in den inneren wie in den äußeren Angelegenheiten eine „Taube“ sein und auch nicht zu verfassungsmäßiger Gewalt greifen.

- Hatte seine Taktik unter den Bedingungen des Krisenjahres 1991 Chancen auf Erfolg?

Bis zum 19. August gab es solche Chancen. Die drei Tage im August haben viel verändert. Und von Bedeutung war dabei, dass sie Gorbatschow psychologisch gebrochen haben. Er hatte sein Selbstbewusstsein verloren. Nachdem er aus Foros zurückgekehrt war, wurde er von Jelzin abhängig: er hat nicht versucht, jene Macht wiederzuerlangen, die ihm nach dem Gesetz als Präsident der UdSSR zustand. Diese Möglichkeit bestand. Und Gorbatschow machte noch einen weiteren Schritt, für den es keine Rechtfertigung gibt: am 23. August setzte er als Präsident der UdSSR seine Unterschrift auf ein Stück Papier, das ihm Gennadi Burbulis gebracht hatte und die Genehmigung enthielt, das Gebäude des ZK zu besetzen, weil dort angeblich Dokumente vernichtet würden. Auf dieser Grundlage wurden alle Parteikomitees im ganzen Land besetzt und zerschlagen. Nach der Zerschlagung der KPdSU war der Weg frei zur Demontage der UdSSR.

Übersetzung aus dem Russischen von Ruth Stoljarowa, nach dem Nachdruck in „Alternativy.ru“ vom 27.10.2016 aus „Sankt Peterburgskie Vedomosti“ [Sankt Petersburger Nachrichten] vom 21.10.2016